
Das Gespräch zwischen Philipp Püde und Christian Jans von McKinsey thematisiert die Entwicklung und das Potenzial humanoider Roboter, die als physische Manifestation von KI („Physical AI“) eine neue...
Das Gespräch zwischen Philipp Püde und Christian Jans von McKinsey thematisiert die Entwicklung und das Potenzial humanoider Roboter, die als physische Manifestation von KI („Physical AI“) eine neue Ära der „General Purpose Robotik“ einläuten. Im Gegensatz zu herkömmlicher, auf Einzelaufgaben spezialisierter Robotik sollen diese Roboter durch Fortschritte in der KI lernen, flexibel in verschiedenen Umgebungen und für diverse Tätigkeiten eingesetzt zu werden, ähnlich wie generative KI-Modelle wie ChatGPT vielfältige Anfragen bearbeiten können.
Aktuell befindet sich das Feld jedoch noch in einem sehr frühen Stadium. Weltweit forschen etwa 100 Unternehmen daran, aber nur wenige haben bereits Pilotprojekte in der Industrie am Laufen. Für einen breiten, skalierbaren Einsatz müssen mehrere zentrale Hürden überwunden werden. Dazu gehören erstens Sicherheitskonzepte und Regulierung, besonders weil physische KI bei Fehlfunktionen Menschen gefährden könnte. Zweitens ist die begrenzte Akkulaufzeit (oft nur 1-2 Stunden) ein Problem, das neue Energiekonzepte erfordert. Drittens muss die Geschicklichkeit (Dexterity), insbesondere der Hände und Greifer, für komplexe Manipulationsaufgaben deutlich verbessert werden. Viertens sind die Materialkosten der Roboter derzeit mit über 100.000 Euro noch zu hoch, wobei die Aktuatorik und Komponenten wie Getriebe wesentliche Kostentreiber sind.
Die Einführung wird etappenweise erfolgen. Zuerst werden humanoide Roboter in strukturierten Umgebungen mit repetitiven und weniger komplexen Aufgaben Fuß fassen, beispielsweise in Lagerhäusern oder der Automobilfertigung. Unstrukturierte, komplexe Umgebungen wie Baustellen oder private Haushalte werden deutlich später folgen. Diese Entwicklung hat das Potenzial, die industrielle Wertschöpfung grundlegend zu verändern, da der Produktionsstandort künftig weniger von Lohnkosten und mehr von Kundennähe oder Innovationsgeschwindigkeit abhängen könnte. Für etablierte Industrieländer wie Deutschland bietet dies Chancen. Der Weg dorthin erfordert jedoch auch eine Neugestaltung von Arbeitsabläufen und räumlichen Konzepten, um die Roboter in bestehende Prozesse zu integrieren, ohne die Arbeit menschlicher Mitarbeiter zu stören. Der Zeitrahmen für erste signifikante Anwendungen wird auf die 2030er Jahre geschätzt.