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Infektiopod 97: Neutropenes Fieber
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Infektiopod 97: Neutropenes Fieber

Episode Snapshot

In der 97. Folge des Podcasts InfektioPot zum Thema Fieber unklarer Genese (FUO) bei Neutropenie diskutieren die Hosts mit den Gastexpertinnen Dr. Billemellinghorf und Dr. Janik Stemmler von der...

Quick Summary

Key Points

  • Der Podcast InfektioPot diskutiert mit zwei Experten das Thema Fieber unklarer Genese (FUO) bei Neutropenie, einem häufigen und lebensbedrohlichen Notfall bei hämato-onkologischen Patienten.
  • Neutropenie wird definiert als eine Neutrophilenzahl unter 500/µl. Das Risiko wird nach Dauer (z.B. Grenze 7 Tage) und weiteren Faktoren stratifiziert (z.B. MASCC-Score zur Entscheidung über ambulante Therapie).
  • Nicht alle Patienten mit febriler Neutropenie haben eine nachweisbare Infektion, aber die Mortalität bei nachgewiesener Infektion ist sehr hoch, weshalb eine sofortige empirische Antibiotikatherapie essenziell ist.
  • Die Diagnostik muss schnell erfolgen und umfasst eine gründliche klinische Untersuchung (inkl. Haut und Schleimhäute), Blutkulturen und eine bildgebende Diagnostik, die bei Verdacht großzügig mittels CT (z.B. Low-Dose Thorax-CT) erfolgen sollte, da Röntgen oft unzureichend ist.

Summary

In der 97. Folge des Podcasts InfektioPot zum Thema Fieber unklarer Genese (FUO) bei Neutropenie diskutieren die Hosts mit den Gastexpertinnen Dr. Billemellinghorf und Dr. Janik Stemmler von der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Infektiologie in Köln. Neutropenie, definiert als ein Abfall der neutrophilen Granulozyten unter 500/µl, tritt häufig als Komplikation einer Chemotherapie bei hämato-onkologischen Patienten auf. Das Fieber wird dabei als einmalige Temperatur von ≥38,3°C oder ≥38,0°C über eine Stunde definiert. Die Expertinnen betonen, dass nicht alle Patienten mit febriler Neutropenie eine nachweisbare Infektion haben (z.B. können auch Medikamente Fieber verursachen), jedoch die Mortalität bei tatsächlicher Infektion extrem hoch ist. Daher handelt es sich um einen infektiologischen Notfall, der ein schnelles und strukturiertes Vorgehen erfordert.

Eine Risikostratifizierung ist entscheidend. Neben der erwarteten Dauer der Neutropenie (ein etablierter Cut-off sind sieben Tage zur Unterscheidung zwischen Standard- und Hochrisiko) kann der MASCC-Score als Entscheidungshilfe dienen, ob in seltenen Ausnahmefällen eine ambulante Behandlung möglich ist. In der Regel werden Patienten jedoch stationär aufgenommen. Die initiale Diagnostik muss innerhalb der ersten Stunde nach Meldung erfolgen und umfasst eine eingehende körperliche Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf Vitalparameter, Haut und Schleimhäute (z.B. Mukositis) sowie potenzielle Infektfoki. Obligat sind Blutkulturen vor Beginn einer empirischen antibiotischen Therapie.

In der Bildgebung raten die Expertinnen bei respiratorischen Symptomen oder entsprechendem Risikoprofil von einem konventionellen Röntgen-Thorax ab und empfehlen stattdessen großzügig ein Low-Dose-CT des Thorax, um auch atypische Pneumonien nicht zu übersehen. Ebenso sollte bei abdominalen Beschwerden ein CT-Abdomen erwogen werden. Das diagnostische Vorgehen folgt somit einem fokusorientierten "Stewardship"-Ansatz, bei dem nicht wahllos, sondern gezielt und bei begründetem Verdacht schnell und umfassend untersucht wird. Die Diskussion unterstreicht die Komplexität der febrilen Neutropenie, bei der trotz oft fehlendem Erregernachweis die unverzügliche Einleitung einer empirischen Therapie lebensrettend sein kann.