
Im Haaretz-Podcast erzählt Sari Bashi, eine israelisch-amerikanische Menschenrechtsanwältin irakisch-jüdischer Herkunft, die außergewöhnliche Geschichte ihrer Liebe und Ehe mit einem palästinensischen...
Im Haaretz-Podcast erzählt Sari Bashi, eine israelisch-amerikanische Menschenrechtsanwältin irakisch-jüdischer Herkunft, die außergewöhnliche Geschichte ihrer Liebe und Ehe mit einem palästinensischen Mann aus Gaza. Ihre Beziehung, die sie in ihrem Buch "Upside Down Love" detailliert beschreibt, begann 2006, als sie ihn als Anwältin der Organisation Gisha vertrat, die Palästinensern bei Reisegenehmigungen hilft. Ihr Partner, unter dem Pseudonym Osama Fahed, war damals in Ramallah gefangen, da sein Ausweis auf Gaza ausgestellt war und er eine Zwangsrückführung fürchtete. Nach erfolgreicher Klage und seinem Auslandsstudium entwickelte sich aus der professionellen Beziehung eine romantische, die beide vor immense Herausforderungen stellte.
Die Beziehung war von Anfang an durch die Realität der israelischen Besatzung geprägt: ungleiche Privilegien, Reisebeschränkungen, gesellschaftliche Tabus und sogar rechtliche Verbote für gemeinsame Treffen. Bashi beschreibt die enormen ethischen und persönlichen Konflikte, die zur Übergabe seiner Vertretung an einen anderen Anwalt führten. Das Paar lebte zwischen den Welten – sie in Tel Aviv mit israelischem Pass, er eingeschränkt in Ramallah. Diese Machtungleichgewichte, aber auch kulturelle Missverständnisse und Sicherheitsbedenken führten mehrfach zu Trennungen. Ein prägendes Erlebnis war eine Wanderung im Westjordanland, bei der die Anwesenheit israelischer Siedler die unterschiedlichen Identitäten und Bedrohungswahrnehmungen schmerzhaft verdeutlichte.
Heute leben Bashi und ihr Partner mit ihren beiden Kindern (11 und 8) im Westjordanland. Die Kinder besuchen eine Privatschule und wachsen mit arabischer, hebräischer und englischer Sprache auf. Ihre Identitätsfindung ist ein fortlaufender Prozess, der zunehmend von einem Bewusstsein für die politischen Spannungen und Tabus geprägt ist. Der Vater kann die Familie meist nicht nach Israel begleiten, was den Alltag erschwert. Bashi betont, dass die Geburt der Kinder, insbesondere einer Frühgeburt, die Ängste ihres Partners vor der Schutzlosigkeit in dieser Realität bestätigte, sie die Entscheidung dennoch nicht bereut.
Beruflich hat die persönliche Erfahrung Bashi Arbeit als Menschenrechtlerin – sie ist heute Geschäftsführerin des Public Committee Against Torture in Israel – stark beeinflusst. Sie fühlt sich verletzlicher, versteht die Nöte der Palästinenser jedoch aus einer intimeren Perspektive und kann so ihre Advocacy-Arbeit besser gestalten. Seit dem 7. Oktober 2023 beobachtet sie eine dramatische Verschlechterung: Der Gazastreifen ist fast vollständig abgeriegelt, und im Westjordanland sei die Folter systematisch und brutal geworden, wobei kaum ein Unterschied in der Behandlung von Festgenommenen aus Gaza oder dem Westjordanland gemacht werde.
Bashi entschied sich, ihre Geschichte öffentlich zu machen, in der Hoffnung, vor allem israelische Leser über eine "verrückte Liebesgeschichte" für die Lebensrealitäten unter Besatzung zu sensibilisieren. Die hebräische Ausgabe ihres Buches (2021) wurde wohlwollend aufgenommen, doch sie zweifelt, ob eine Veröffentlichung in der aktuellen, nach dem 7. Oktober noch weiter polarisierten Atmosphäre möglich wäre. Trotz der Risiken und sozialen Hürden, die ihre öffentliche Rolle und ihre gemischte Ehe mit sich bringen, sieht sie in ihrer Geschichte ein menschliches Gegenmodell zur zunehmenden Entmenschlichung des Konflikts.